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Türkei forciert die wirtschaftliche Entwicklung Ostanatoliens

25.05.15 AHK Türkei Energieforum - News-Hauptkategorie

Regierung stellt 7 Mrd. Euro für Aufbauprojekte bereit / Von Necip C. Bagoglu

Istanbul (gtai) - Ostanatolien erhält durch einen neuen Aktionsplan der türkischen Regierung mehr staatliche Investitionen. Der Ausbau der Infrastruktur soll bessere Grundlagen für neue Projekte in der Industrie und Landwirtschaft schaffen. Generell gute Chancen bieten Projekte in der Lebensmittelerzeugung. Mittelfristiges Ziel ist es, den Lebensstandard zu erhöhen und durch steigende Einkommen das Wachstumspotenzial der Region zu mobilisieren. (Kontaktanschrift)

Die türkische Regierung will die wirtschaftliche Entwicklung Ostanatoliens mit mehr öffentlichen Investitionen und Aufbaumaßnahmen vorantreiben. Dafür stellt Ankara im Rahmen des "Aktionsplans für Ostanatolien" (Dogu Anadolu Projesi Eylem Plani) im Zeitraum 2014 bis 2018 aus dem Etat der Zentralregierung 21,0 Mrd. Türkische Lira (7,1 Mrd. Euro; 1 Euro = 2,94 TL; Stand: 18.5.2015) bereit. Dies erklärte der türkische Entwicklungsminister, Cevdet Yilmaz, auf einer Pressekonferenz in Ankara. Bei der Milliardensumme handelt es sich nach den Worten des Ministers ausschließlich um Mittel, die aus dem Staatshaushalt bereitgestellt werden. Investitionen kommunaler Gebietskörperschaften, privater Unternehmen und Organisationen sind in dem Betrag nicht enthalten.

Mit dem Aktionsplan sollen die wirtschaftlich wenig entwickelten und bisher stark vernachlässigten 14 Provinzen Ostanatoliens gestärkt werden. Es handelt es sich um die Regierungsbezirke Ardahan, Kars, Igdir, Agri, Van, Hakkari, Erzurum, Mus, Bitlis, Bingöl, Tunceli, Elazig, Erzincan und Malatya. Darüber hinaus soll das Einkommensgefälle im Land verringert werden. Der Nachholbedarf an Investitionen ist immens. Die ostanatolischen Provinzen zählen zu den ärmsten Regionen der Türkei. Diese Gebiete haben einen niedrigen Lebensstandard und eine schwache Infrastruktur. Da sie nicht über einen Meereszugang verfügen, sind sie bei der Logistik gegenüber anderen türkischen Regionen im Nachteil.

Höhere Wertschöpfung und mehr Exporte angestrebt

Mit dem Aktionsplan und den öffentlichen Investitionen soll die Bruttowertschöpfung in Ostanatolien bis 2018 von derzeit 51 auf 55% des Landesdurchschnitts angehoben werden. Darüber hinaus soll die Beschäftigungsquote von derzeit 47,3 auf 50,7% erhöht werden. Die Exporte sollen von 1,2 Mrd. auf 2,8 Mrd. US$ steigen.

Von den im Zeitraum 2014 bis 2018 geplanten staatlichen Ausgaben entfällt mit 10,4 Mrd. TL nahezu die Hälfte auf Projekte zur Entwicklung der Infrastruktur der Städte und des Umweltschutzes. Verkehrs- und Energieprojekte spielen dabei eine herausragende Rolle. Die Kommunikationsnetze und die IT-Infrastruktur werden ausgebaut. Die Verbesserung des Internet-Zugangs hat einen hohen Stellenwert. An ausgewählten Plätzen soll eine kostenlose WLAN-Nutzung eingeführt werden. Industriezentren und Technologieentwicklungszonen werden mit Glasfaserkabeln ans Internet angeschlossen.

Rund 6,7 Mrd. TL sind für die Förderung der sozialen Infrastruktur in Ostanatolien eingeplant. Von hoher Bedeutung sind Investitionen in das Bildungswesen. Neue Schulen und zusätzliche Lehrer sollen die Zahl der Schüler pro Schulklasse auf unter 30 senken. Bei staatlichen Investitionen in Ostanatolien im Jahr 2014 (2013) in Höhe von 3,3 (2,9) Mrd. TL stand der Erziehungssektor mit 960 (681) Mio. TL an erster Stelle. Knapp 29% der staatlichen Investitionen in Ostanatolien im Zeitraum 2008 bis 2014 betrafen den Bildungsbereich (laut Entwicklungsministerium).

Zur Entwicklung der Produktivität und Wertschöpfung in der Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie sind im Zeitraum 2014 bis 2018 Ausgaben von insgesamt 3.5 Mrd. TL vorgesehen. Im Rahmen der Agrarentwicklung sollen Bewässerungsprojekte zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität durchgeführt und Subventionen für die Viehwirtschaft bereitgestellt werden. Der Kauf, die Haltung und Zucht von Schafen soll durch direkte Kostenzuschüsse subventioniert werden.

Bei den übrigen bereit gestellten Finanmitteln in Höhe von 528 Mio. TL handelt es sich um Fördermaßnahmen für die Industrie und die Dienstleistungsbranche. Darüber hinaus sollen die institutionellen Kapazitäten gestärkt und die Effizienz gesteigert werden. Es ist vorgesehen, Entwicklungspotenziale im Tourismus und im Bergbau zu erforschen. Im Fremdenverkehrswesen bestehen aufgrund der klimatischen Bedingungen grundsätzlich gute Chancen für den Wintertourismus.

Aufbau von Gewerbezonen für kleine Betriebe

Zur Förderung der Industrie und Unterstützung von kleinen und mittelständischen Betrieben soll der Aufbau von organisierten Industriezonen (OSB = Organize Sanayi Bölgesi) mit gutem Infrastrukturangebot vorangetrieben werden. Firmen, die in diesen Zonen investieren, profitieren zusätzlich zu den allgemeinen Subventionen von umfangreichen Vergünstigungen, wie Steuer- und Zollbefreiungen.

Mit der Einrichtung neuer Industriezonen soll die Kooperation mit den Nachbarländern in den Grenzregionen ausgebaut werden. In Dogubeyazit, an der Grenze zu Iran, ist die Gründung einer OSB vorgesehen. Die Industriezone ist offen für Investitionen türkischer und iranischer Geschäftsleute. Zur Förderung des Handels mit den Nachbarländern Georgien und Aserbaidschan sollen die Arbeiten zur Modernisierung der Grenzübergänge Esendere, Dilucu und Kapiköy zügig abgeschlossen werden. Des Weiteren sollen die Grenzübergänge Üzümlü und Derecek ausgebaut werden, um den Grenzverkehr zu erleichtern. Erwogen wird auch die Errichtung einer Freihandelszone. Die Durchführbarkeit dieses Projektes soll zunächst geprüft werden.

Staatliche Ausgaben für die Entwicklung Ostanatoliens (in Mio. TL)

Maßnahme

2014

2015

2016

2017

2018

Steigerung der Produktivität und der Wertschöpfung in der Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie

547

624

715

763

805

Stärkung des Industrie- und Dienstleistungssektors

79

91

104

111

117

Ausbau der Infrastruktur, Förderung der Urbanisierung und des Umweltschutzes

1.643

1.877

2.149

2.292

2.420

Stärkung der sozialen Infrastruktur

1.053

1.203

1.377

1.469

1.551

Entwicklung der institutionellen Kapazitäten

4

5

5

6

6

Insgesamt

3.326

3.800

4.350

4.641

4.899

Quelle: Türkisches Entwicklungsministerium (Kalkinma Bakanligi; http://www.kalkinma.gov.tr)

Für die Implementierung und Koordinierung des Aktionsplanes und anderer staatlicher Aufbauprojekte in Ostanatolien ist die regionale Entwicklungsagentur (DAP Bölge Kalkinma Idaresi Baskanligi) in Erzurum zuständig. Diese gehört zum Geschäftsbereich des Entwicklungsministeriums.

Kontaktanschrift:

DAP Bölge Kalkinma Idaresi Baskanligi

(Regionale Entwicklungsagentur für Ostanatolien)

Ahmet Yesevi Mah., Beldiyeönü Sokak No. 1

25700 Aziziye - Erzurum

Tel.: 0090 442/-238 28 28, Fax: -282 20 30

E-Mail: info(at)dap.gov.tr, Internet: http://www.dap.gov.tr

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