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Türkische Unternehmen verstärken Engagement in Afrika

07.05.15 AHK Türkei Energieforum - News-Hauptkategorie

Steigende Investitionen und Exportaktivitäten / Von Necip C. Bagoglu

Istanbul (gtai) - Auf der Suche nach neuen Absatzmärkten im Ausland entdecken immer mehr türkische Unternehmen Afrika. Die zunehmenden Unwägbarkeiten auf den traditionellen Exportmärkten veranlassen Firmen aus der Türkei zunehmend dazu, ihre Geschäftsaktivitäten und Investitionen auf den schwarzen Kontinent auszuweiten. Viele betrachten Afrika als zukunftsträchtigen Markt und engagieren sich dort in Projekten. Diese bieten auch für deutsche Anbieter Zulieferchancen.

Türkische Unternehmen verstärken ihr Engagement auf dem bisher vernachlässigten schwarzen Kontinent. Die Anreize: In Afrika befinden sich schätzungsweise ein Drittel der weltweiten Mineralreserven und die Bevölkerung wird voraussichtlich von zurzeit rund 1,0 Mrd. auf 1,6 Mrd. Menschen bis zum Jahr 2030 wachsen. Die junge Bevölkerung, die fortschreitende Urbanisierung und die heranwachsenden mittleren Einkommensgruppen in vielen Ländern machen Afrika zu einem attraktiven Investitionsstandort für türkische Firmen.

Der afrikanische Markt erscheint für türkische Firmen ausbaufähig. Unter den 20 größten Abnehmerländern der türkischen Exportwirtschaft gab es 2014 laut Statistikamt TÜIK (Türkiye Istatistik Kurumu) lediglich zwei afrikanische Staaten: Ägypten auf Platz 14 und Algerien auf Platz 18. Nur 8,7% der türkischen Exporte von insgesamt 157,7 Mrd. US$ gingen 2014 nach Afrika. Bei den gesamten türkischen Importen von 242,2 Mrd. $ hatten afrikanische Länder einen mageren Anteil von lediglich 2,5%.

Turkish Airlines erleichtert Geschäftsreisen

Allein sechs große türkische Unternehmensgruppen investierten in Afrika bislang knapp 2 Mrd. $. Ein bedeutender Akteur, der den Weg türkischer Firmen nach Afrika ebnete, ist die nationale Fluggesellschaft Turkish Airlines (Türk Hava Yollari - THY). Sie hat in den zurückliegenden Jahren ihr Flugangebot nach Afrika kräftig erweitert. Während es im Flugprogramm der THY vor 16 Jahren nur zwei afrikanische Destinationen gab, stieg die Zahl der bedienten Städte in Afrika inzwischen auf insgesamt 43. Damit ist die THY zur ausländischen Fluggesellschaft mit den meisten Flügen nach Afrika aufgestiegen. Das Luftfahrtunternehmen will angesichts der wachsenden Geschäftsverbindungen den Flugverkehr über die Flugdrehscheibe Istanbul nach Afrika weiter ausbauen. Dies betonte Chief Executive Officer Temel Kotil.

Größter türkischer Investor in Afrika ist die Öztürk-Holding mit einem Volumen von rund 600 Mio. $, berichtet das Wirtschaftsmagazin "Capital". Das Unternehmen, das 2014 in Kamerun den Auftrag für den Bau einer Autobahn im Wert von 750 Mio. $ erhielt, betrachtet Afrika als strategischen Markt, der lukrative Geschäfte verspricht. Die Öztürk-Gruppe mit Schwerpunktaktivitäten in den Branchen Energie und Bergbau strebt in den kommenden zehn Jahren einen jährlichen Exportwert nach Afrika von 4 Mrd. $ an, sagte Firmenchef Yusuf Öztürk.

Eisen- und Stahlwerk in Algerien

Die Tosyali Holding hat in Algerien für mehr als 500 Mio. $ das größte Eisen- und Stahlwerk der Region errichtet und will weitere 1,3 Mrd. $ in das nordafrikanische Land investieren. Damit beabsichtigt die Holding zu einem bedeutenden globalen Hersteller von Eisen und Stahl aufzusteigen.

Zu den wichtigen türkischen Akteuren in Afrika zählt auch das Textilunternehmen Ayka Tekstil des Geschäftsmannes Yusuf Aydeniz. Das Unternehmen investierte in Äthiopien 400 Mio. $. und baute dort das größte integrierte Textilwerk des Landes. Dieses produziert ausschließlich für den Export. Über die Investition in Afrika will Ayka Tekstil die eigene Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den ostasiatischen Konkurrenten verbessern.

Der Haushaltsgerätehersteller Arcelik (Tochterfirma der Koc-Gruppe), der in Europa mit der Marke "Beko" bekannt ist, ist in Afrika inzwischen mit einem Marktanteil von etwa 40% Marktführer in sechs Gerätekategorien. Der Einstieg in die afrikanischen Märkte erfolgte vor vier Jahren durch die Übernahme des südafrikanischen Hausgeräteherstellers Defy gegen Zahlung von 324 Mio. $. Arcelik investierte danach in die drei Werke von Defy mit rund 3.000 Mitarbeitern weitere 56 Mio. $ zur Erneuerung der Technologie und zum Ausbau der Vertriebsketten. Über diesen Erwerb konnte Arcelik seinen Absatz auch in anderen Teilen Afrikas ausbauen, so der stellvertretende Geschäftsführer, Ragip Balcioglu.

Kraftwerke in Westafrika

Die Yildirim-Gruppe, die sich für Geschäfte und Investitionen in Südafrika und Westafrika interessiert, baute in Cote d'Ivoire für 35 Mio. Euro das städtische Seetransportprojekt "Rainbow Ferry Lines" auf. Das Unternehmen will an der Elefenbeinküste außerdem zwei Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 750 MW errichten, gab der stellvertretende Geschäftsführer, Özer Öz, bekannt. Die Kosten werden auf 1,1 Mrd. $ veranschlagt. Darüber hinaus plant die Gruppe in Senegal den Bau eines Solarkraftwerkes mit einer Leistung von 100 MW.

Andere türkische Unternehmen mit Afrika-Engagement sind die Telekommunikationsgesellschaft Netas, die Schifffahrtslinie Arkas Line, der Getränkehersteller Uludag Icecek und der Mischkonzern Limak. Uludag Icecek ist mit seinen nichtalkoholischen Erfrischungsgetränken vor allem in Nordafrika erfolgreich. Netas will durch Technologietransfer nach Afrika zum größten Systemintegrator des Kontinents aufsteigen. Die Arkas Line, die laut ihres Chief Executive Officers, Can Atalay, in Westafrika bisher die Länder Nigeria, Ghana, Cote d'Ivoire, Äquatorialguinea, Senegal und Mauretanien bedient, will ihr Angebot in absehbarer Zeit auf Kamerun, Gabun, Benin und Togo ausweiten.

Limak errichtet Zementwerk in Cote d'Ivoire

Die Limak Holding investiert in die Zementindustrie Afrikas. Für den Aufbau eines Zementwerkes in Cote d'Ivoire wurde 2014 ein Joint Venture mit dem lokalen Partner Afrikbat ins Leben gerufen. Das Kapital des Gemeinschaftsunternehmens Limak Afrika S.A. wird zu 51% von Limak gehalten. Die Kosten der Zementfabrik bei Abidjan werden auf 45 Mio. $ veranschlagt. Das Zementwerk soll aus einer Produktions- und einer Verpackungseinheit bestehen. Die Produktionskapazität wird jährlich 1 Mio. t Zement betragen. Gleichzeitig sollen im Werk 1 Mio. cbm Fertigbeton produziert werden. Die Fabrik soll bis zum Oktober 2015 fertiggestellt werden. In einer weiteren Ausbauphase sollen in der Anlage auch vorgefertigte Betonprodukte hergestellt werden. Neben der Belieferung des lokalen Marktes in Cote d'Ivoire sind Exporte in andere afrikanische Länder vorgesehen.

Die größten türkischen Investoren in Afrika

Unternehmen

Branche

Investitionen (Mio. US$)

Internetadresse

Öztürk

Energie, Bergbau

600

http://www.ozturkholding.com

Tosyali

Eisen, Stahl

500

http://www.tosyaliholding.com.tr

Ayka Tekstil

Textil, Bekleidung

400

aykatextile.com

Arcelik

Haushaltsgeräte

324

http://www.arcelikas.com

Yildirim

Energie, Hafenbetrieb

38

http://www.yildirimgroup.com

Limak

Energie und Bauwirtschaft

10

http://www.limak.com.tr

Quelle: Wirtschaftsmagazin "Capital", Nr. 4/2015

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